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Aus Uttwils Schulgeschichte

Die erste Nachricht über eine Schule in Uttwil stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Damals besuchten 72 Kinder den Unterricht in Uttwil und Kesswil, Uttwils Schulmeister waren Johannes Zwick und Hannes Spon. Die frühesten Ansätze eines Schulunterrichtes dürften aber hundert Jahre älter sein, die Reformation hatte den gemeinsamen Kirchengesang eingeführt und die Bibel unter das Volk gebracht. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kirchgemeinden die Volksbildung zu fördern trachteten, der aber lange mit Gesang, Lesen und vielleicht etwas Schreiben genüge getan war. Die jungen Leute konnten in der Nachtschule das als Kinder gelernte auffrischen, doch was machten die Uttwiler aus dieser «abefohlenen» Einrichtung?

Ein «Mandat» der Äptissin von Münsterlingen als Gerichtsherrin aus dem Jahre 1678 rügt die Zustände in der Nacht- oder Singschule «von jungen, ja sogar bestandenen und verheirateten Gesellen werde grosser Übermut getrieben, indem sie sich nicht scheuten, halbe, ja ganze Nächte lang mit Tanzen, Springen, Jauchzen, Singen, Pfeiffen etc. zuzubringen» und zum Schluss: «dann welcher oder welche wider unser Mandat verfehlen und ungehorsam sich zeigen täte, selbige nach Verdienen unnachgiebig abgestraft werden sollen.»

So artete eine gutgemeinte Bildungsmöglichkeit aus und nur einzelne legten Wert auf mehr als das allernötigste an schulischen Kenntnissen. Oft war auch Armut der Grund nicht zur Schule zu gehen, der Besuch war sowieso freiwillig. Wer die paar Kreuzer für den Lehrerlohn nicht aufbrachte, zu Hause Arbeit hatte oder wem bei kaltem und nassem Wetter ganze Schuhe fehlten, blieb fern.

Noch hundert Jahre später schrieb der Pfarrer von Kesswil an seine Oberen in Zürich: «Er möchte den Thurgäuer sehen, der seine Kinder länger als ihm gefalle zur Schule schicke». Doch mehren sich ab Mitte des 18.Jahrhunderts die Berichte einer fortschrittlicheren Entwicklung, denn Pfarrer Kramer konnte an die gleiche Stelle melden: «Neben der Winterschule, lasse allein Uttwil auch von Ostern bis Jakobi, das ist der 25. Juli, Unterricht erteilen und die Schüler übten sich sogar in schriftlichen Arbeiten, es würden Handels- und Schuldbriefe abgefasst. Die wachsende Bedeutung der

Gemeinde wirkte sich logischerweise auch auf die Schule aus, die Kaufleute und Schiffseigner wussten erfolgreich den alten Handelsplätzen Arbon und Rorschach den Rang streitig zu machen und diese Tätigkeiten setzten gebieterisch eine gute Ausbildung voraus.

Schulhäuser und Turnhallen

1799 liess der Minister der Helvetischen Republick Ph. Stapfer, in der ganzen Schweiz Erhebungen über das Schulwesen anstellen. Diese «Stapfersche Schul-Enquete» genannte Statistik, vermerkt die damals Aufsehen erregende Tatsache: Die Gemeinde lasse im eigenen Haus, dem «Pfaffengatter» genannten ehemaligen Pfarrhaus

unterrichten, wo eine eigene Stube für die Schule gebaut sei, andern Orts war dies die Wohnstube des Schulmeisters. Der östliche Teil unseres alten Schulhauses dürfte dieser «Pfaffengatter» sein und das bis 1965 benützte Arbeitsschulzimmer eines der Schullokale, denn nach 1839 war mit der Eröffnung der Unterschule ein zweites nötig geworden.

1884 überlegte sich die Schulvorsteherschaft ernsthaft, wie der Platzmangel behoben werden könnte. Sparsam wie eh und je denkt man zuerst an eine wohlfeile Vergrösserung durch einbeziehen der Gänge, kommt aber doch rasch zum Entschluss, «zwei Schulsäle» anzubauen, was man mit 10000 Franken zu bewerkstelligen hofft. Finanzielle Überraschungen blieben aber auch damals nicht aus, der erste Kostenvoranschlag von Baumeister Huldi in Romanshorn, erreichte die stolze Summe von 22 500 Franken und erst nach einigen Änderungen und Konkurrenzofferten, beschloss die Gemeindeversammlung mit 55 Ja zu 30 Nein den Anbau für 17 500 Franken ausführen zu lassen. Dass nicht alle, die Nein stimmten, gegen eine Verbesserung der Schulgebäude waren, sondern lieber einen Neubau errichtet hätten, überliefert ein bald darauf zirkulierendes Spottgedicht, von dem leider nur der Schlussvers bekannt ist und lautet: «und hetti d'Uttwiler s'Geld nöd graue, hettäts ä ganz neus Schuelhus baue».

Es hat aber seinen Dienst trotzdem bis vor kurzem redlich getan. Vor 30 Jahren hat man einen Neubau schon einmal in Erwägung gezogen, aber in Betracht der damals mageren Steuereingänge, eine, das allernötigste umfassende Renovation vorgezogen.

Die Entwicklung setzte aber so rasch ein, dass zunehmende Schülerzahlen nach einer weiteren Lehrstelle riefen, die aber mehr schlecht als recht, nur im Handfertigkeitsraum des Turnhallenuntergeschosses, untergebracht werden konnte.

Ein Neubau drängte sich auf und 1961/62 erstand das kleine Schulhaus mit den Räumen für die Unterstufe und die Mädchenhandarbeit, es bot auch soweit Reserven, dass mit Dozwil und Kesswil die Abschlussklasse eingeführt werden konnte und einige Jahre sogar für das Büro des Grundbuchamtes und Notariates des Kreises Uttwil Platz bot.

Die Aufgaben der Zukunft waren aber bereits abgesteckt, die Worte des damaligen Schulpräsidenten wiesen gradlinig auf die heute verwirklichte Lösung hin. Sie lauteten: (Bodenseezeitung vom 8. Juli 1962) «Der Zonenplan der Gemeinde weist der Schule ein Gebiet zu, das in nächster Nähe des Dorfzentrums, leicht erreichbar ist, und doch mitten im Grün der Felder liegt. Die Vervollständigung des Grundbesitzes der Schulgemeinde in dieser Zone bleibt die erste Aufgabe. Eine Verlegung der Schule aus dem alten Schulhaus wird eine Zeitfrage sein, die mit der Zunahme des Verkehrs zusammenhängt. Auch die Bedürfnisse der Abschlussklasse werden bis dahin überblickbar sein».

Ganz im Gegensatz zum alten Schulhaus von dem man sich lange nicht trennen wollte, hat Uttwil recht früh, als eine der ersten kleinen Gemeinden mit damals knapp 500 Einwohnern, eine Turnhalle gebaut. Der 1912 gegründete Turnverein übte zuerst auf der alten Tanzdiele der Bärenscheune und als der Boden unter den vom Pferd springenden Turnern durchbrach, buddelte man den Schulhauskeller aus und beschränkte sich auf Steinheben und Freiübungen, denn für Reck und Barren war er immer noch zu niedrig. In der Traubenscheune baute man sich dann ein Turnlokal, das auch von der Schule benützt werden sollte, doch kaum mit einer Abendunterhaltung eingeweiht, brannte es in einer kalten Novembernacht bis auf den Grund nieder.

Das Unglück des Turnvereins, in der Schweizerischen Turnzeitung gemeldet, rührte die Opferbereitschaft der Turnkameraden in der ganzen Schweiz. Es traf soviel Hilfe ein, dass nach dem Bezahlen der Umbaurechnungen einige tausend Franken verblieben. Der Grundstock, der ausreichte, der Gemeinde Mut zu geben, nicht nur eine Turnhalle, sondern gleich auch noch Schulküche und Handfertigkeitsraum in den Neubau einzuschliessen. Es war eine mutige Tat in den Krisenjahren, wo Arbeitslosigkeit an der Tagesordnung war, einen solchen Bau zu wagen, die «Elektra» übernahm einen schönen Teil der Bauschuld und amortisierte den Strompreis, eine Energiesteuer von anno dazumal.

Die höhere Schule zu Uttwil

Auch eine kurze Geschichte über Uttwils Schule kann nicht an der «Höheren Schule», wie sie einst genannt wurde, vorübergehen.

Man schrieb das Jahr 1800, trotzdem Napoleon Europa fast pausenlos mit Krieg überzog, blühte in Uttwil Handel und Gewerbe.

Neun Bürger unter Führung von Pfarrer Steinfels und Distriktspräsident Dölli stellten in jenem Jahr einen Lehrer an, der die grösseren Kinder nicht nur im Lesen und Schreiben unterrichtete, sondern auch Rechnen und Grammatik vermittelte und Aufsätze schreiben liess, wie dies etwa an den Stadtschulen von Arbon und Steckborn üblich war. 1811 kam erstmals mit J. Weilenmann aus dem zürcherischen Stäfa ein Lehrer nach Uttwil, der auch Französisch und Geographie lehren konnte. 1834 zahlte erstmals der Staat 200 Gulden an die dadurch zur öffentlichen Sekundarschule gewordenen «Höheren Schule». Diese wurde auch Hausschule Dölli genannt, trotzdem immer mehrere Bürger sie tragen halfen, hat jene, heute in Uttwil ausgestorbene Familie, mit Verantwortung und Opfermut über ihr gewacht. Auch die Sekundarschule genoss noch die Fürsorge besonders von Bezirksstatthalter Dölli. Als 1854 die Schule überraschend und ohne Fühlungsnahme mit den örtlichen Behörden, nach Dozwil verlegt wurde, tat der Erziehungsrat der Familie Dölli klares Unrecht, eine Familie die über Jahrzehnte weder Zeit noch Geld an eine Hausschule gescheut, hätte mehr Rücksicht verdient, (E. Hänzi in 100 Jahre Sekundarschule Dozwil). Obwohl das freundnachbarliche Verhältnis zu Zeiten dadurch etwas getrübt war, tröstete sich Gemeindeammann Annasohn vor bald 50 Jahren damit, dass Uttwil der Sekundarschule mit der Einrichtung der Kochschule wieder dienen konnte. Die Wahl Uttwils als Standort der Abschlussklassen – nun Realschule genannt – hat noch weiter ausgleichend gewirkt.

Die Primarschule heute und und ein Blick in die Zukunft

Zur Zeit sind 6 Lehrkräfte für die 6 Primarklassen in Uttwil tätig. Ebenfalls bietet die Primarschule schulische Heilpädagogik (ca.75%Stelle) und Logopädieunterricht (ca. 20%-Stelle) an.

Es werden zwei Kindergartenjahre durch zwei Kindergärtnerinnen (je ca 90%-Stellen) angeboten.

Die Schülerzahlen für die folgenden Jahre werden sich voraussichtlich zwischen 120 und 130 bewegen. In den nächsten Jahren wird die Primarschule Uttwil keine neue Bauten benötigen, die Räumlichkeiten sind grosszügig und genügend.

Die Oberstufengemeinde Dozwil-Kesswil-Uttwil

Im Jahre 1983 beschlossen die drei Gemeinden Dozwil, Kesswil und Uttwil an einer Urnenabstimmung die Bildung eines Oberstufenkreises.

Seit Januar 1996 findet der gesamte Unterricht der Oberstufe in eigenen Räumen in Dozwil statt.

Seit der örtlichen Zusammenführung der Sekundar- und Realschule in Dozwil entwickelt sich die Schule stetig. So werden Fächer in Niveaugruppen oder in stufen- oder altersdurchmischten Abteilungen unterrichtet. Die Oberstufe ist eine gut funktionierende, überschaubare Landschulgemeinde.

Textquelle: Gemeinde Uttwil